Rho Ophiuchi Komplex

Rho Ophiuchi Komplex

Rho Ophiuchi Komplex

Eine der farbenreichsten Regionen unseres Sternhimmels liegt ca. 1° südlich des Sterns Rho Ophiuchi (Bildmitte mit blauem Nebel umgeben), an der Grenze der Sternbil­der Schlangenträger und Skorpion.  Von Mitteleuropa aus ist dieser Nebelkomplex normalerweise kein lohnendes Objekt.  Der südliche Teil des Schlangenträgers und der Skorpion kommen nicht sehr hoch über den Südhorizont.  Die Lichtverschmutzung (Aufhellung des Himmels durch künstliche Lichtquellen) in unserer Gegend ist zu hoch und verschluckt die Farbenpracht dieser Region. 

Trotzdem ist es aber Andrea Scholze bei sehr gutem Wetter auf der Hohen Geba gelungen, diese farbige Region mit einem 135mm Objektiv abzubilden. 

Dieses Gebiet ist mit einer Entfernung von ca. 450 Lj auch gleichzeitig eines der nächstgelegenen Sternentstehungsgebiete und daher von Profiastronomen sehr gut untersucht. Verdeckt von den Dunkelwolken sind mit Hilfe der Infrarotastronomie schon über 400 Objekte detektiert worden.  Ca. 200 davon sind sehr junge Sterne im Alter zwischen 100.000 und 1 Mio. Jahren, die noch in ihrer planetaren Staubscheibe stecken (T-Tauri-Sterne); weitere 16 Sterne werden als Protosterne klassifiziert.  Die Dunkelwolken und der größte Teil des Interstelleren Materials liegen bei einer Temperatur von 13-22 Kelvin, also nur 13-22 Grad über dem absoluten Nullpunkt (-273,15°C).

Der helle Stern unten ist Antares, der Hauptstern im Skorpion.  Ein Roter Riese mit 820-fachem Durchmesser der Sonne und der 65.000-fachen Leuchtkraft.  Stünde er an der Stelle unserer Sonne, würden die Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars innerhalb des Antares verschwinden.  Mit einer Oberflächentemperatur von 3500 K (Sonne=5.800 K) leuchtet er rötlich, was ihm zusammen mit seiner scheinbaren Helligkeit von 1,09 mag zu seinem Namen verholfen hat: griechisch Antiares; der Gott Ares wurde von den Römern als Mars bezeichnet; also Gegenmars.

Mit einer Entfernung von ca. 600 Lj liegt Antares hinter dem Rho Ophiuchi Komplex.  Sein Licht wird durch die davor liegende interstellare Materie reflektiert.  Daher leuchtet dieser Teil des Komplexes gelblich bis braun.

 

Der Stern rechts der gelblichen Wolke oberhalb Antares ist Sigma Scorpii, ein blauer Riese in ca. 560 Lj. Entfernung und der Spektralklasse B1 mit einer Oberflächentemperatur von über 26.000 K.  Bei dieser Temperatur ist die Strahlung des Sterns kurzwellig genug und so energiereich, dass naheliegende Teile der Wolke ionisiert werden.  Dieser Bereich wird zum Emissionsnebel und leuchtet im charakteristischen Rot des H-a Lichtes.

 

Im oberen Bildteil in einer Entfernung von ca. 400 Lj. liegt das Sternensystem Rho Ophiuchi eingebettet in blaue Reflexions­nebel.  Zwei dieser Sterne sind blaue Unterriesen mit einer Oberflächentemperatur von ca. 22.000 K und einer Gesamtstrahlung, die die unserer Sonne um das 7.000-fache übersteigt.  Hier reicht aber die Oberflächentemperatur und damit die Strahlungsenergie gerade nicht mehr aus, um den Wasserstoff der interstellaren Wolke zu ionisieren.  Die Folge ist ein kräftig blau leuchtender Nebel, der das Licht von Rho Ophiuchi streut und reflektiert.

Die beiden Kugelsternhaufen im unteren Bildteil sind M4 und der kleinere NGC 6144. 

M4 gehört mit einer Entfernung von 7.200 Lj zu den uns nahe gelegenen Kugelsternhaufen.  M4 war auch der erste Kugelsternhaufen, in dem Einzelsterne aufgelöst wurden.  Er hat einen Durchmesser von ca. 75 Lj. und beherbergt in diesem Raum ca. 100.000 Sterne.

 

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