Ein Beobachtungsbericht von Simon Manger

An diesem Abend sollte es endlich soweit sein. Nachdem der letzte Besuch auf der Hohen Geba ohne Beobachtungmöglichkeit ausgegangen war, damals wurden im Frühjahr die Plattformen und der Planetenweg eingeweiht, ergab sich von Samstag auf Sonntag die lang erhoffte Gelegenheit. Der Wetterbericht vermeldete ab 21:00 Uhr klaren Himmel. Auch das Satellitenbild sah vielversprechend aus. So machte ich mich auf den Weg zur Hohen Geba. Nach einer guten Stunde über die A71 bzw. B285 erreichte ich die Plattformen oben auf dem Berg. Ein Mitbeobachter aus aus den Nähe von Schweinfurt erreichte ebenfalls kurze Zeit später den Beobachtungsplatz. Mit dem Auto konnte ich direkt bis an die Beobachtungsplattformen heranfahren, sodass ich die Ausrüstung nur wenige Meter weit tragen musste.

Zu diesem Zeitpunkt war noch einiges an Wolken am Himmel. Bis zum Dämmerungsende wurden die Teleskope aufgebaut. Der Himmel wurde vom anfangs frischen Wind freigeblasen. Derweil trafen weitere Beobachter aus der näheren und weiteren Umgebung ein. So kamen die anderen Beobachter unter anderem aus Fürth, Kronach und Meiningen.

Noch bevor es richtig Dunkel war, wurden der Mond sowie die Planeten Mars und Saturn aufs Korn genommen. Ein Paar aus Frankfurt machte auf dem Weg nach Meiningen einen Abstecher auf die Hohen Geba und ich gewährte ihnen einen Blick durchs Teleskop. Der Saturn und der Mond hatte sie sehr beeindruckt. Die ISS begann gegen 21:15 mit ihrem ersten Überflug für diesen Abend. Diese wurde mit dem 16“ Dobson bei ca. 125-fach beobachtet, jedoch hatte ich Schwierigkeiten mit dem Nachführen. Beim zweiten Überflug gegen 22:52 Uhr hatte dann alles geklappt. Die Nachführung mit meines Telskops hatte im Zenit perfekt funktioniert, sodass die Raumstation fast durchgehend in der Mitte des Gesichtsfeldes zu sehen war. Die ISS war als großes, rechteckiges Objekt zu erkennbar. Neben den einzelnen Solarmodulen, welche braun-blau erschienen, waren auch die Wohnmodule dazwischen erkennbar.

Glücklicherweise war der Himmel in dieser Nacht außerordentlich klar, was wohl daran lag, dass sich die Luftfeuchtigkeit als Tau niederschlug. Die Ausrüstung war klatschnass. Die Lichtverschmutzung auf der Hohen Geba ist für deutsche Verhältnisse sehr gering. Lediglich Meiningen erzeugt einen leichten Schein. Die Milchstraße war sehr ausgeprägt – es war eine Augenweide. M13 und viele weitere M´s konnte ich mit dem blosen Auge indirekt sehen.

Da es in dieser Nacht so außerordentlich klar war, nutzte ich diese um die tiefstehenden Objekte in Bereich des Skorpions und Schützen zu beobachten.

2011 beobachtete ich bereits an der Kissinger Hütte den Kugelsternhaufen G001, der sich um die Andromedagalaxie bewegt. Diesen habe ich mittels Starhopping schnell wiedergefunden. Als die Position genau erkannt wurde, war er im 16“ Dobson direkt gut als sehr kleine, schwacher, flächiger Wattebausch zu sehen.

Die Klassiker durften an diesem Abend natürlich nicht fehlen.

Die guten Bedingungen ermöglichten es, im Cirrus-Komplex selbst sehr schwache und feine Details erkennen zu können. Dieser ausgedehnte Nebel zieht mich jedes mal aufs Neue in seinen Bann.

So langsam machte sich die Morgendämmerung bemerkbar und ich beschloss diese Nacht mit den offenen Sternhaufen im Fuhrmann zu beschließen. Bei einer Tasse Tee und ein paar Keksen ließ ich diese Nacht gemütlich ausklingen, während die Vögel schon kräftig zwitscherten. Nachdem ich im Auto ausgeschlafen hatte, packte ich meine Sachen und fuhr sehr zufrieden wieder nach Hause.