Der Schutz der Nacht ist ein elementares Thema im Sternenpark Rhön. Alle Teile der Gesellschaft, egal ob Privatpersonen, Gewerbetreibende oder Kommunen, können etwas dazu beitragen. Durch die Sensibilisierung der Gesellschaft gerät das Thema Lichtverschmutzung auch außerhalb der Rhön zunehmend in den Fokus. Sowohl auf dem Land als auch in den urbanen Gebieten wird über die Auswirkungen und Maßnahmen um die Lichtverschmutzung diskutiert.

So gut Kommentare und “Likes” in den Sozialen Medien auch gemeint sind, der Schutz der Nacht bedarf aktiven Handels!

Es soll keinesfalls darum gehen, Licht gänzlich zu verbannen! Stattdessen geht es darum, das Kunstlicht mit Verstand einzusetzen. Hier spielen nicht nur ökologische sondern auch ökonomische Aspekte eine Rolle! Auch heute noch ist Licht ein nicht zu verachtender Kostenfaktor. Im Vergleich zu früher benötigen die heutigen Leuchtmittel zwar wesentlich weniger Energie für die gleiche Lichtmenge, jedoch ist die Anzahl derer rapide gestiegen – und steigt auch heute noch. Es ist zudem mittlerweile üblich, dass die Straßenbeleuchtung die ganze Nacht über mit voller Leistung betrieben wird. Viele Lampen strahlen ihr Licht in Vorgärten, Hauswände oder direkt in den Himmel ab. Dort ist es praktisch nutzlos. Aber auch dieses nutzlos produzierte Licht verursacht Kosten, welche bezahlt werden müssen!

Das Thema Energiewende ist nach wie vor von hoher Aktualität und steht auch im Zusammenhang mit der nächtliche Ilumination. Wer in der Rhön unterwegs ist, kann bei gutem Wetter bis ins Maintal blicken und dort das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld erkennen. Auch wenn dieses Kraftwerk bereits abgeschalten ist, so ist es so, dass der nachts für die Beleuchtung genutzte Strom oftmals noch in solchen nicht regenerativen Kraftwerken produziert werden muss. Es gilt kritisch zu überlegen, wie die energetischen Ressourcen zu nutzen sind.


Auf dieser Seite bieten wir Ihnen verschiedene Hilfsmittel und Möglichkeiten an, um gegen die Lichtverschmutzung aktiv zu handeln. Zum einen geht es um praktische Hinweise für die Wahl, Aufstellung und Nutzung der nachtfreundlichen Beleuchtung. Zum anderen geht es um rechtliche Belange, welche insbesondere für Kommunen und Landkreise interessant sind.

Empfehlungen und Planungshilfen

Wie muss eine nachtfreundlichen Beleuchtung gestaltet sein? Hierzu hat das Biosphärenreservat Rhön Empfehlungen und Planungshilfen erarbeitet, welche auf Privateigentümer, Gewerbetreibende, Kommunen und Sportstätten abgestimmt sind.

Diese umfassen im Kern folgende Punkte:

  • Lichtlenkung möglichst von oben nach unten zur Vermeidung von Blendung, Streu- und Störlicht in Schlafzimmern, Naturraum und am Himmel. Gerade beim Einsatz von LED ist es wichtig, dass die Leuchte blendfrei konzipiert ist; insbesondere wenn Leuchten an steilen Straßenhängen aufstellt werden, da man bei der Auffahrt direkt hinein schaut.
  • Lichtfarbe mit geringem Blauanteil von weniger als 3000 K, da u.a. das Hormonsystem des Menschen insbesondere auf die Blauanteile im Licht reagiert und blaustichiges Licht vermehrt Insekten aus dem Naturraum lockt. Eine Farbtemperatur, die dem Licht der vielerorts installierten Natriumhochdruckdampfleuchten (ca. 2200 K) entspricht – ist erstrebenswert (z.B. Amber LED).
  • Lichtmenge und Beleuchtungsdauer sollten an den Zweck und tatsächlichen Beleuchtungsbedarf angepasst werden, wodurch sich ein sehr großes Einsparpotenzial an Energie und Steuergelder ergibt.

Die einzelnen Planungshilfen können Sie hier öffnen herunterladen:

Rechtssicherheit für Kommunen, Landkreise und träger öffentlicher Belange

Wie für Deutschland üblich, gibt es für fast alles Gesetze, Novellen, Normen, Vorgaben und Leitlinien. So auch für das Licht. Für die relevanten Entscheidungsträger ist es aufgrund der Unübersichtlichkeit der entscheidungsrelevanten Informationen oftmals schwer Festlegungen zu treffen. Um es diesen Personen leicht zu machen, entstand beim Landkreis Fulda in Zusammenarbeit mit dem Fachdienst für Rechtsangelegenheiten (B. Roth) und der Fachstelle Sternenpark im UNESCO Biosphärenreservat Rhön (S. Frank) eine Zusammenfassung aller relevanten Aspekte des Rechts. Diese dient der Berücksichtigung und Einbeziehung der technischen Vorgaben zum Schutz der Nacht in die Beurteilungs, Stellungnahmeund Genehmigungspraxis. Das Dokument entstand unter Mitwirkung von Dr. Andreas Hähnel, der sowohl als Leiter der Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternfreunde(VdS) und als wissenschaftliche Begleitung des Sternenpark UNESCOBiosphärenreservat Rhön fungiert. Des weiteren war Dr. Benedikt Huggins vom Institut für Umwelt-und Planungsrecht der Universität Münster an der Entstehung dieses Dokuments beteiligt.

Die zuvor genannte Zusammenfassung bzgl. der Möglichkeiten für Kommunen, Landkreise und träger öffentlicher Belange zur Vermeidung von Lichtimmsion können Sie hier öffnen und herunterladen.

Musterleitlinie für Gemeinden

Nachdem bereits mehrere Gemeinden hinsichtlich einer Musterleitlinie angefragt haben, erstellte die Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternenfreunde unter Dr. Andreas Hänel und der Sternenpark UNESCO Biosphärenreservat Rhön unter Sabine Frank die folgende Musterleitlinie. In dieser Vorlage sind zudem die Rechtsgrundlagen, die Referenzen und die Herleitung der Werte mit angegeben.

Die Musterleitlinie können Sie hier herunterladen.

Beleuchtungsrichtlinien für den Sternenpark Rhön

Diese beziehen sich in erster Linie auf die öffentlichen Straßenbeleuchtungssysteme, die von Steuergeldern finanziert werden. Sie werden herangezogen, wenn Neuinstallationen bzw. Umrüstungen ohnehin anstehen. Um eine zukünftige und langfristige Verbesserung der öffentlichen Beleuchtung zu erreichen, wurden gemeinsam mit den Anbietern der öffentlichen Beleuchtung (Rhönenergie Fulda, ÜWR, Bayernwerk, Einzelanbieter, TEN Thüringen etc.) eben diese Beleuchtungsrichtlinien abgestimmt, die viele Rhöner Kommunen durch Beschluss im Gemeindeparlament als zukünftige Handlungsgrundlage demokratisch angenommen haben. Dies bedeutet, dass bei zukünftigen Angelegenheiten der öffentlich finanzierten Straßenbeleuchtung die Richtlinien zur Entscheidungsfindung herangezogen werden sollen. Der Verein Sternenpark Rhön e.V. bietet Kommunen, Privatpersonen und Gewerbetreibenden Unterstützung auf dem Gebiet umweltverträglichere Beleuchtung an.

Die Beleuchtungsrichtlinien für den Sternenpark Rhön können Sie hier öffnen und herunterladen.