Beobachtungsbericht von rimi71

Was sind Sternenparks eigentlich?

 

Als Hobbyastronom gibt es für mich nach Sonnenuntergang meist nur eine Blickrichtung, und die lautet „Oben“. Dass ich dabei nicht gegen Laternen laufe, hat einen ganz einfachen Grund: Die Dinger geben viel künstliches Licht ab, und stören meinen Blick auf den Nachthimmel.

Ich wohne in einer sehr ländlichen Gegend, und habe das Glück, dass hier kaum bzw. nur wenig künstliches Licht eingesetzt wird. In Städten ist das dagegen anders. Hier steht alle paar Meter etwas, dass künstliches Licht abstrahlt. Dass dies nicht besonders toll ist, erkennt man, wenn man wie ich den direkten Vergleich ziehen kann.

 

Richtig, die funktionieren anders, aber eine tolle Idee wäre das schon … 🙂

Bis vor ein paar Jahren habe ich immer mal wieder in einer Stadt mit etwa 25.000 Einwohnern übernachtet. Wenn ich dort im Winter das Sternbild Orion betrachtete, dachte ich immer „Nanu … da fehlt doch was …“Während ich in meinem Garten problemlos den Orionnebel sehen kann, ist er in größeren Städten schlicht und einfach nicht vorhanden, vom herrlichen Anblick den die Milchstraße im Spätsommer bietet mal ganz zu schweigen.

Dass es auch anders geht, zeigen Sternenparks wie z.B. die Rhön. Dort wird auf künstliches Licht so weit wie möglich verzichtet, und dort wo es nötig ist, wird es zielgerichtet eingesetzt. Eine Straßenlaterne sollte den Boden ausleuchten, und nicht den Nachthimmel mit Licht verschmutzen.

 

Die Location und der Verein

Im April 2016 war ich das erste Mal zur Eröffnungsfeier der dortigen Beobachtungsplattformen auf der Hohen Geba vor Ort. Die Location ist sehr abgelegen, direkt vor Ort befindet sich allerdings eine Gastwirtschaft, die zu meiner großen Freude auch vegane Speisen anbietet.

Die Beobachtungsplattformen bieten eine fantastische Rundumsicht in die thüringische, hessische und bayrische Landschaft. Die hohe Geba ist nicht nur deswegen auch Tagsüber einmal einen Besuch wert (unbedingt Fernglas einpacken!), sondern auch wegen des sehr informativen Planetenwegs der vom Verein Sternenpark Rhön e.V. angelegt wurde.

 

Eine der 8 Informationstafeln des Planetenwegs, mit Bildern, die man nicht überall zu sehen bekommt

Der Verein besteht aus sehr engagierten, hilfsbereiten Mitgliedern, die sich nicht nur zum Sterne beobachten treffen, sondern auch geführte Touren durch den nächtlichen Sternenhimmel anbieten. Ein dafür vom Bürgermeister eigens gespendetes Teleskop sei hier noch lobend erwähnt.

Wer eine Beobachtungsplattform nutzen will, sollte sie auf dieser Seite reservieren. Die Nutzung ist kostenlos. Wer keine Plattform ergattern kann, hat dennoch die Möglichkeit sein Teleskop neben die Plattformen, oder auf die nahe Wiese zu stellen.

Der Beobachtungsabend

Am 6.8.2016 war es dann endlich so weit. Ich konnte mir ein paar Stunden Zeit nehmen, und die hohe Geba mit Teleskop besuchen. Mein 150/750 Newtonspiegel von Orion, welches hier schon mal gute Dienste geleistet hat (Klick), war Aufgrund seiner kompakten Bauweise und seiner Go-To-Steuerung meine erste Wahl. Am Ziel konnte ich dann die schmale Sichel des zunehmenden Mondes nutzen, um erste Teleskopeinstellungen und erste Tests zu machen.

Bald zeigten sich auch schon die ersten Sterne, und ich konnte Wega und Arktur nutzen, um meine Go-To-Steuerung startklar zu machen. Saturn war dann so Nett die Wartezeit bis zur vollkommenen Dunkelheit zu überbrücken.

 

Mein Teleskop (rechts) befand sich in bester Gesellschaft 🙂

Etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang bot sich dann ein schon mit bloßem Auge fantastischer Anblick! Die Milchstraße zog sich von Norden nach Süden über den kompletten Nachthimmel (etwas dass ich in dieser Form so Zuhause nicht zu sehen bekomme).

Ich hatte mir daheim ein paar Sachen zum beobachten heraus gesucht, beschloss aber dann, dass ich in der zur Verfügung stehenden Zeit, so viel wie Möglich sehen will. Go-To-Teleskope bieten die Option „Deep Sky Tour“. In dieser Einstellung verwandeln sie sich dann in virtuelle Fremdenführer, die einem alles sehenswerte auf Knopfdruck zeigen. Das ganze erinnert dann ein wenig an einen japanischen Touristen auf Europareise (alle Sehenswürdigkeiten in 2 Wochen). Bei mir war es dann „Das Universum in 2 Stunden …“ 😉

Anyway, ich konnte auf diese Weise in kurzer Zeit eine Menge beobachten. Highlights waren die Andromedagalaxie (M31 – geht dort übrigens auch mit bloßem Auge), der Doppelcluster im Perseus (NGC 869 und NGC 884) und ein Doppelstern, dessen Name mir gerade nicht ein einfällt *Asche auf mein Haupt*(1)

Fazit

Für Teleskopbesitzer ist die Hohe Geba auf jeden Fall ein Muss, aber auch Menschen die sich an einem „unberührten“ Nachthimmel erfreuen können, werden hier fündig. Der Planetenweg, die Gastwirtschaft und die Angebote des Vereins (Sternenwanderungen etc.) machen aus der Location eine runde Sache. 🙂

 

Sonnenuntergang auf der Hohen Geba

Bedanken möchte ich mich bei @Sternenpark, @stwmgn und nicht zuletzt bei @asdromeda, für ihre Gastfreundschaft und speziell bei Asdromeda, für die nette Abendführung und die tollen Erklärungen. Ich habe eine Menge mitgenommen an diesem Abend, und es war bestimmt nicht mein letzter Besuch.

(1) Dank dem tollen Gedächtnis von Asdromeda kann ich Euch nun mitteilen, dass der Doppelstern Albireo (Beta Cygni) im Sternbild Schwan war. 🙂


rimi71 hat uns diesen Bericht freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
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